New Ocean (Sea Cycle)

RICHARD SIEGAL/BALLET OF DIFFERENCE UND SCHAUSPIEL KÖLN/TANZ KÖLN

Inhalt

Tanz im Zeitalter von COVID-19: Aggregatzustände als körperliche Erfahrung.
Richard Siegal arbeitet seine Erfolgsproduktion »New Ocean« zu einer neuen Form um.

In der letzten Spielzeit lancierte »Richard Siegal / Ballet of Difference am Schauspiel
Köln« mit »New Ocean« nicht nur ihr erstes abendfüllendes Ballett, sondern auch eine Hommage an den vor zehn Jahren verstorbenen Choreografen Merce Cunningham, dessen Innovationen für den zeitgenössischen Tanz nach wie vor als wegweisend gelten. Inspiriert von Zufallsoperationen, die John Cage und Merce Cunningham bei ihrer Zusammenarbeit vielfach in Anschlag gebracht hatten, knüpfte Richard Siegal die Struktur der Choreografie an externe Kräfte: Ausgangspunkt wurde in diesem Fall der sich fortwährend transformierende Planet, auf dem wir leben: Die Erde im Modus ihrer fortschreitenden Erwärmung.
Gemeinsam mit dem Lichtdesigner Matthias Singer entwickelte Siegal einen Algorithmus, der die Struktur des Abends in Abhängigkeit zum schmelzenden Eis der Polar- meere bestimmen sollte. Das Prinzip war einfach: Je weniger Eis, desto weniger Tänzer*innen auf der Bühne. Geknüpft an Datensätze, die über Verläufe der letzten 25 Jahre Auskunft geben, zeigte bei Siegal jeder Abend die Entwicklung eines anderen Polarmeeres. Der Klimawandel wurde übersetzt in menschliche Bewegung, wenn man so will.

Was hier vielleicht etwas kompliziert klingt, erschließt sich als Theatererlebnis geradezu intuitiv. Denn auch ohne Hintergrundinformationen ist und bleibt »New Ocean
ein faszinierender Tanzabend, der bei diversen ausverkauften Vorstellungen in Folge das Kölner Publikum begeistert hat – nicht zu vergessen die Tour durch Deutschland, Österreich und Italien.

Auch wenn der Corona-Virus alles andere verdrängt zu haben scheint: der Klimawandel ist als Thema noch lange nicht durch. Bevor COVID-19 in unser Leben trat, hatte man sich immerhin für kurze Zeit darauf einigen können, den menschengemachten Klimawandel als größtes Problem der Gegenwart anzuerkennen. Und während der Virus die kapitalistische Welt in den letzten Monaten in Schach hielt und die Ökonomie an ihre Grenzen brachte, ließen sich frappierende Veränderungen auf Seiten der Ökologie erkennen, etwa in Form extrem verminderter CO2-Emissionen und Himmelblau-Panoramen über sonst mit Dunstglocken bedeckten Metropolen.
Als Reflex auf die aktuellen Ereignisse arrangiert Richard Siegal die Arbeit um: Mit Akzent auf den Distanzen zwischen den Tänzer*innen verschiebt sich der Fokus noch mehr auf die unsichtbaren Kraft- und Verbindungslinien auf der Bühne. Die rigiden choreografischen Regeln, die er den Tänzer*innen auferlegt hat, scheinen die neuen gesellschaftlichen Regeln zu spiegeln, die als Anti-Ansteckungs-Maßnahmen unser Leben bestimmen.
Dementsprechend werden die Tänzer*innen ihre choreografierten Bewegungen ausführen – immer in Abhängigkeit zu den Daten des Polareises. Eingebettet in eine gefühlte Unendlichkeit, erleben die Zuschauer*innen die Transformation von Eis zu Wasser als zeitgenössisches Ballett.

Besetzung

Choreografie, Bühne Richard Siegal
Kostüme Flora Miranda
Licht Matthias Singer
Musik Alva Noto, Ryuichi Sakamoto

Dramaturgie Tobias Staab

 

Mit Martina Chavez, Margarida Isabel De Abreu Neto, Douglas De Almeida Lima, Jemima Rose Dean, Livia Gil, Mason Manning, Nicolás Martínez, Andrea Mocciardini, Claudia Ortiz Arraiza, Diovani Silva Cabral, Evan Supple, Long Zou

Gäste Zuzana Zahradníková und Gustavo Gomez

 

Choreografie

Richard Siegal

Pressestimmen

In Zusammenarbeit mit Künstlern unterschiedlichster Disziplinen hat Siegal innovative, dabei hochvirtuose Stücke entwickelt, die dem Ballett den Weg in die Zukunft weisen.
- DER TAGESSPIEGEL

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