All for one and one for the money

RICHARD SIEGAL/BALLET OF DIFFERENCE UND SCHAUSPIEL KÖLN/TANZ KÖLN

Inhalt

Merry crisis and happy new fear! Die Krise hat uns alle getroffen. Vor allem für Darstellende Künste steht dabei vieles auf dem Spiel. Sie brauchen das Live-Moment, die Gleichzeitigkeit, die Gemeinschaft an einem Ort – sonst funktioniert es nicht. Aber ist das wirklich so, oder ist auch ein anderes Theater denkbar? Ein digitales Theater, das den virtuellen Raum erobert, ohne dabei auf seine ureigene Liveness zu verzichten. Ein partizipatives Theater, das uns wieder miteinander in Kontakt treten lässt, das die digi- tale Einsamkeit der Gegenwart reflektiert und zugleich subversiv unterläuft.

Am 09. April 2020 hätte Richard Siegals neueste Arbeit »All for one and one for the money« Premiere gefeiert, mit der er den Fetisch unserer spätkapitalistischen Gegenwart ins Visier nehmen wollte: Das Geld. Die Corona-Pandemie kam dazwischen und so, wie auf viele andere Dinge, hat sich in der Zwischenzeit auch der Blick auf Geld und Konsum gewandelt. Ausgehend von dem choreografischen Material, das »Richard Siegal / Ballet  of Difference am Schauspiel Köln« in den Wochen der Probenzeit generiert hat, transformiert sich das ursprünglich für eine klassische Aufführungsweise konzipierte Stück nun  in ein intermediales Theaterereignis, welches das Phänomen Geld vor allem auch in sei- ner virtuellen Dimension hinterfragt.

 

In den Frühlingsmonaten 2020, in denen keine Proben und keine Vorstellungen für die Kompanie möglich waren, trieb Siegal vor allem die Frage um, wie es weiter gehen kann mit Tanz in Zeiten von Versammlungsverboten und Abstandsregelungen. Können digitale Medien die erzwungene zwischenmenschliche Distanz überwinden? Sind Live- Ereignisse der Kunst auch am Screen erfahrbar? Ist diese radikale Transformation und Selbstbefragung der Kunstform Tanz längst überfällig, oder ist das dann eben kein Tanz mehr?

Unter dem Titel »All for one and one for the money« wagt die neue Produktion den Versuch, ein völlig neues ästhetisches Feld abzustecken: Ein digitales Theatererlebnis zwischen Tanz und Schauspiel, Live-Performance und digitalem Computerspiel – inklusive aktiver Teilnahmemöglichkeit für die Zuschauer*innen!

 

Alles, was virtuell zu sehen ist, findet live und im tatsächlichen Moment statt. Im  Depot ist ein Hybrid aus TV-Set und Tanz-Installation aufgebaut, in dem die Choreografien getanzt und zugleich auch gefilmt werden. Schauspieler*innen spielen vor anderen Kameras Szenen oder unterhalten sich via Videokonferenz mit den virtuellen Gästen. Ein DJ legt auf und lädt dazu ein, auch in den eigenen vier Wänden mitzutanzen und die digitale Einsamkeit zu überwinden.

 

Mit »All for one and one for the money« findet Richard Siegal einen eigenen innovativen Weg aus der Krise. Statt sich in seinen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten limi- tieren zu lassen, erfindet er neue ästhetische Formen, welche die Unterscheidung zwischen analoger und digitaler Welt (sowie physisch vorhandenem und virtuellem Geld) in völlig neuer Weise in den Fokus rücken. Dieser neue Ansatz versteht sich als Antwort auf die wirtschaftliche Rezession der Gegenwart. Seine Übersetzung der kapitalistischen Ströme und deren Unterbrechungen in Bewegungslinien, die steigen und fallen, und Fluchtlinien, die diese durchbrechen, stellt die richtigen Fragen zur richtigen Zeit.

Zudem artikuliert sich in der ästhetischen Form eines Theaters an der Schwelle von analoger und digitaler Welt eine wichtige Position im Diskurs um die Zukunft der Darstellenden Künste.

 

Im Fokus steht eine Online-Plattform: Eine virtuelle dekadente Party am Ende der Welt, auf der sich die Gäste vom privaten Notebook, Tablet oder Smartphone aus frei von Raum zu Raum bewegen können. In manchen Räumen begegnet man Tänzer*innen, in anderen spielt Musik, in wieder anderen Räumen finden Gespräche statt, an denen jede*r einzelne über die integrierte Video-Kommunikations-App teilnehmen kann.

Aber es gibt auch dunkle Räume, in denen das kollektive Unbewusste des Internets sich zurückgezogen hat, wo die Besucher*innen in der Lage sind, ihrem geheimen Begehren nachzugehen. Das Ganze funktioniert wie bei Online-Games: Spezielle Räume und Welten können gegen einen bestimmten finanziellen Einsatz freigeschaltet werden – diejenigen, die nicht bezahlen wollen, bleiben in den Free-Zones.

 

»All for one and one for the money« spielt mit den ökonomischen Codes des Turbokapitalismus und den postdigitalen Verführungsstrategien der Medien. Bitcoins werden zu BoDcoins. Jede*r Zuschauer*in erzeugt durch individuelle Entscheidungen (»In welchen Raum gehe ich als nächstes?« / »Wo verweile ich?« / »Mit wem unterhalte ich mich und über was?«) eine eigene und einzigartige Kunsterfahrung – am eigenen Screen … oder direkt im Depot 2.

Besetzung
Choreografie

Richard Siegal

Pressestimmen
Ticketkauf
tickethotline
0221.221 28 400 0221.221 28 400

Mo. - Fr.: 10:00 - 18:00 Uhr
Sa.: 11:00 - 18:00 Uhr

Newsletter Anmeldung hier anmelden